Ausschreiben oder abschreiben?

Öffentliche Designaufträge mit neuem Leitfaden erfolgreicher vergeben

Steuergelder nicht verschwenden, sondern korrekt und effizient verwenden: Auftragsvergaben der öffentlichen Hand sind ein komplexer Vorgang – hat doch die Gesellschaft ein Recht darauf, dass Korruption und Vetternwirtschaft systematisch unterbunden werden. Öffentliche Ausschreibungen sollen das wirtschaftlichste – und nicht etwa das billigste – Verfahren und Ergebnis sicherstellen.

Trotzdem führen diese in der Designbranche immer wieder zu Irritationen, Frustrationen und blanker Empörung. So werden regelmäßig unbezahlte Vorleistungen, wie etwa Entwürfe oder Konzepte verlangt, die auch nach geltendem Recht bei vielen Ausschreibungen nicht zwangsläufig notwendig sind. Die ganze Breite der zur Verfügung stehenden Vergabearten werden in der bestehenden Praxis häufig nur unzureichend ausgeschöpft.

Der Deutsche Designtag hat daher einen Praxis-Leitfaden zur Vergabe von öffentlichen Aufträgen in der Designbranche verfasst, der eindeutige und rechtssichere Wege auffächert, um Designleistungen fair auszuschreiben. Er bietet kompetente Unterstützung für Bund, Länder und Kommunen, um verfügbare Ressourcen effizient einzusetzen. Denn die Entscheidung für die passende Vergabeart führt nicht nur zu besseren Ergebnissen, sondern spart auch erheblichen Arbeitsaufwand auf Seiten der Auftraggeber wie der Designerinnen und Designer.

»Viele Entwürfe führen auf der Auftraggeberseite oft nur zu viel Unsicherheit« haben die beiden federführenden Autoren Thomas Bender und Christian Büning beobachtet. »Die Auswertung bindet ja nicht nur Ressourcen, sie verlangt auch Sachkenntnis und Steuerungskompetenz, die den Vergabestellen oft nicht zur Verfügung stehen.«

Design ist nachgewiesenermaßen ein nachhaltig wirksames Instrument, um zielgenau zu kommunizieren und die anvisierten Zielgruppen besser zu erreichen. Der Präsident des Deutschen Designtags, Boris Kochan, fordert entsprechend: »Es ist eines der großen Themen der Designbranche: öffentliche Aufträge müssen endlich zuverlässig so ausgeschrieben werden, dass die ca. 30.000 Vergabestellen in Deutschland die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten für den besten Prozess und das beste Ergebnis umfassend ausschöpfen. Schluss mit wenig zielführenden Verfahren und unbezahlten Vorleistungen! Gerade jetzt in der Krise unterstützen effiziente Vergaben sowohl die öffentliche Hand wie auch die Designwirtschaft und vermeiden auf beiden Seiten unnötigen Aufwand: eine echte Win-win-Situation! Viele Akteure der Designbranche kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben – faire Ausschreibungen haben eine wichtige Signalwirkung für die gesamte Branche.«

Die vorliegende 36-seitige Broschüre beschäftigt sich im Schwerpunkt mit dem Bereich Kommunikationsdesign und kann als PDF kostenfrei ab Freitag, den 9. Oktober 2020 in der Geschäftsstelle des Designtags unter info@designtag.org abgerufen werden. Sie ist der erste Teil einer Reihe, die sich in zukünftigen Ausgaben mit weiteren Designfeldern wie Produkt- und Fashiondesign beschäftigen wird und wird bei eventuell veränderter Rechtslage laufend aktualisiert.

Designaufträge erfolgreich vergeben
Ein Leitfaden nicht nur für Auftraggeber
Kommunikationsdesign | Version 1.0

Herausgegeben vom Deutschen Designtag e.V.
vertreten durch den Präsidenten Boris Kochan
Taubenstraße 1
10117 Berlin
VR 35150 B Berlin

Autoren: Thomas Bender (BDG) und Christian Büning (BDG)
Mitarbeit: Prof. Florian Adler (Forum für Entwerfen), Dr. Stefan Gauß
Rechtliche Beratung: Dr. Andreas Neumann (Port7 Rechtsanwälte)
Rat für Vergaberichtlinien und Ausschreibungen des Designtags:
Christian Büning (Leitung, BDG), Florian Adler (Forum für Entwerfen), Thomas Bender (BDG), Arne Leichert (BDG), Torsten Meyer-Bogya (AGD)

Initiiert vom BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner e.V.,
verabschiedet vom Vorstand des Deutschen Designtags am 4. Juli 2020.

Visuelle Umsetzung: Büro Büning
Titelbild: istockphoto – ramihalim
Erste Auflage, 2020