NEW EDUCATION CIRCLE
Designoffensive für die Bildung
Gesellschaftlicher Wandel braucht Gestaltung – gerade jetzt!

In vielen Ländern dieser Welt hinken die staatlichen Bildungssysteme den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, den wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen deutlich hinterher. Hier setzt der New Education Circle (NEC) an und entwickelt Konzepte, um das Potenzial der kreativen Berufe wie Design und Architektur sowie anderer kultur- und kreativwirtschaftlicher Berufe zum Wohle aller nutzbar zu machen.

Die Initiatoren Deutscher Designtag und bayern design konzentrieren sich mit diesem Round Table Pandemie-bedingt im ersten Schritt auf Bildungsfragen in Deutschland, um die so gewonnenen Erkenntnisse dann im internationalen Kontext weiter zu diskutieren und zu entwickeln. Der Beschäftigung liegen ein paar ausgewählte Fragestellungen zugrunde:

  • Wie können schulergänzende Angebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden, um sie kreativ und methodisch fit zu machen für die gesellschaftliche Transformation?
  • Wie kann Design als Metadisziplin dabei behilflich sein, dass Menschen zukünftig tatsächlich lebenslang lernen? Und wie können kreative Trainingssysteme zum systematischen Bestandteil des Arbeitslebens entwickelt werden?
  • Wie sieht die Designausbildung der Zukunft aus? Wie können Designer·innen auch nach der Ausbildung up to date bleiben – technologisch, methodisch – in sich immer wieder wandelnden Arbeitsfeldern?

Designkompetenz ist auch Bildungskompetenz – Design-Skills sind dafür prädestiniert, im Kontext solcher und ähnlicher Fragestellungen wirksam zu werden.

Boris Kochan, Präsident des Deutschen Designtag: »Die Pandemie hat es mehr als deutlich gezeigt: Die Bildungssysteme in Deutschland stehen unter Druck und brauchen dringend Erneuerung. Es war und ist einerseits überraschend, wie viel Veränderung notgedrungen in kürzester Zeit möglich war – das gibt Hoffnung! … andererseits ist Schule trotz eines Digitalpakts weit entfernt davon, digital oder gar nachhaltig zu sein. Nicht viel anders sieht es in Universitäten aus oder gar bei der Fort- und Weiterbildung von Erwachsenen. Nicht als Allheilmittel, aber wenn Designmethoden und Creative Technologies in zukünftige Bildungskonzepte systematisch integriert würden, entstünde neues Denken. Kreativität und Flexibilität, Vielfalt und Interdisziplinarität sind entscheidende Lernfelder für Menschen aller Altersstufen – Felder, in denen Design zu Hause ist. Und mehr als offen ist, diese Fähigkeiten und Erfahrungen mit aller Welt zu teilen.«

New Education Circle
Vorschläge für Heute. Und für morgen …
Eine Diskussionsgrundlage

Der NEW EDUCATION CIRCLE (NEC) ist aus dem Bewusstsein heraus entstanden, dass die gesellschaftliche Transformation durch die Digitalisierung wie die ökologische Krise gleichermaßen getrieben ist. Und es dringend grundlegender Neujustierungen gerade auch im Bildungsbereich bedarf. 
 
Der NEC hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Potenziale von Design generell und von Designmethoden und Creative Technologies speziell auf ihre Eignung für die Bildung hin zu untersuchen und Vorschläge zu erarbeiten, um diese Potenziale praktisch nutzbar zu machen. Und dies auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. 
 
Im Sinne eines internationalen Roundtables wollen wir mit Gestalterinnen und Gestaltern, gleich welcher Ausrichtung und Herkunft, ins Gespräch kommen. Ziel ist die Hinterfragung und Ergänzung von Sichtweisen und die Verständigung über gemeinsame Auffassungen zur Zukunft der Bildung. 

Vom 16. bis zum 18. Oktober 2020 fand ein erster Workshop – coronabedingt erst einmal auf nationaler Ebene – statt, in dem erste Grundlagen für eine weiterführende Diskussion mit internationalen Partner·innen geschaffen wurden. 

Initiatoren sind Boris Kochan und die leider viel zu früh verstorbene Dr. Silke Claus – gemeinsam mit den hinter ihnen stehenden Organisationen Deutscher Designtag und bayern design. Die Teilnehmer am ersten Workshop waren Veronika Burian,
Prof. Lutz Engelke, Prof. Martin Foessleitner, Prof. Markus Hanzer, Boris Kochan, Prof. Susanne Lengyel, Prof. Dr. Oliver Ruf, Ulrich Müller und Gabriele Werner. 

Dem Workshop lagen ein paar ausgewählte, grundlegende Fragestellungen zugrunde:

  • Wie können schulergänzende Angebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden, um sie kreativ und methodisch fit zu machen für die gesellschaftliche Transformation? 
  • Wie kann Design als Metadisziplin dabei behilflich sein, dass Menschen zukünftig tatsächlich lebenslang lernen? Und wie können kreative Trainingssysteme zum systematischen Bestandteil des Arbeitslebens entwickelt werden? 
  • Wie sieht die Designausbildung der Zukunft aus? Wie können Designer·innen auch nach der Ausbildung up to date bleiben – technologisch, methodisch – in sich immer wieder wandelnden Arbeitsfeldern?

Designkompetenz ist auch Bildungskompetenz
 
Die Kompetenzfelder des Designs sind dafür prädestiniert, im Kontext solcher und ähnlicher Fragestellungen wirksam zu werden:

  1. Design bildet Brücken zwischen Menschen und gestaltet die Schnittstellen zwischen ihnen und der Umwelt. Dabei optimiert das Design die Zweckdienlichkeit der gestalteten Medien, Prozesse und Objekte und stiftet zugleich Sinn.  
     
  2. Design unterstützt Personen und Gemeinschaften, ihre Individualität auszudrücken und sich im Vergleich mit anderen identifizierbar zu machen. 
     
  3. Design hilft Menschen, sich zu orientieren, und fördert das Lernen. 
     
  4. Design erleichtert die Kommunikation und gibt Menschen wesentliche Impulse im Zusammenleben. 
     
  5. Design macht Menschen aktuelle technische Errungenschaften zugänglich und verhindert, dass sie vom Fortschritt und vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden. 
     
  6. Design hilft entscheidend, die immense Informationsvielfalt der heutigen Welt zu erfassen und zu strukturieren.
     
  7. Design erfüllt das Bedürfnis des Menschen nach Schönheit und Originalität der Dinge, die ihn umgeben. Design ist in diesem Sinn nicht nur das Resultat professionell-methodischer Prozesse, sondern darüber hinaus schöpferisch-kulturelle Leistung. Es verwirklicht ästhetische Ideale einer Kultur. Zugleich wirkt es am kulturellen Wandel mit: Kreatives Abweichen von gestalterischen Konventionen schafft ungewöhnliche Sinn-Bilder. Sie stärken die Identität neuer Ideen und veränderter Wertvorstellungen, verleihen diesen öffentliche Präsenz und heben ihr Charisma. Kultur wird durch Design belebt.
     
  8. Gestaltung verfeinert Wahrnehmung – bei Adressat·innen und bei Absender·innen gleichermaßen. Gestalten setzt Empathie voraus und vermag unmittelbar in unser Leben einzugreifen. Der Wandel ist die Domäne der Designer·innen. 


Der – neue – Treiber von Bildung ist Design 

In der Zusammenschau dieser Kompetenzfelder wird deutlich, welch wirkungsmächtiges Potenzial gerade in Kreativmethoden und Creative Technologies liegt, um neue Denk- und Sichtweisen zu verdeutlichen und weiterzutreiben. Und damit den notwendigen gesellschaftlichen Perspektivenwechsel verständlich und mitvollziehbar zu gestalten und der gesellschaftlichen Transformation Form und Ausdruck zu verleihen. 
 
Bildung hat schon immer Werkzeuge und Methoden für gesellschaftlich relevantes Verhalten reflektiert. Die alten Lernmuster und -methoden erscheinen jedoch nicht mehr geeignet, den aktuellen und erst recht den künftigen Anforderungen Genüge zu leisten. 
 
Ein neues Denken, die Lust am Blick über den eigenen Tellerrand, am ergebnisoffenen Experiment – mit den entsprechenden Zugangsoptionen zu kreativen und digitalen Werkzeugen – muss bereits in jungen Jahren angelegt werden. Bildung begleitet durch alle Lebensphasen. Die Verbindung von Bildung mit Designkompetenz ist ideal geeignet, das um  dieses ganzheitliche Denken zu etablieren und zu stärken.

Fünf konkrete Handlungsebenen

Im Zusammenspiel von Design und Bildung werden folgende Aspekte eine zentrale Rolle übernehmen:

  • Kreativmethoden und Creative Technologies – Lustvolles Lernen als Early Adopters. Die notwendige digitale Grundausbildung für alle Bürger·innen bedarf nicht nur technischer, sondern auch gestalterischer Kompetenz.
  • Interdisziplinarität und Multikulturalität – Im Wechselspiel entsteht Vielfalt und Flexibilität. Bildung schafft dabei neue Gemeinschaften. Interdisziplinarität und die Beförderung interkultureller Synergien gehören zum selbstverständlichen Repertoire heutigen Designdenkens und heutiger Designpraxis.
  • Zirkuläres Lernen – Alte lernen von Jungen und Junge von Alten. Bildung braucht angst- und hierarchiefreie Lernumgebungen, Erfahrung und Aufbruchsgeist müssen zusammenwirken. Die Kompetenzen, die Designer·innen gerade auch auf den Gebieten des Design Thinkings, des UX-Designs und des Social Designs sowohl methodisch-theoretisch als auch praktisch erworben haben, sind beispielhaft für ein solches zirkulär-integratives Lernen. 
  • Fortschritt durch Fehlertoleranz – Das starre schulische Benotungssystem ist einer sich individualisierenden Gesellschaft nicht mehr angemessen. Es gilt, neue Bewertungssysteme zu erfinden, die dem Systemwandel adäquat sind. Die Expertise des Designs, komplexe Wirkungszusammenhänge vor dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen zu durchdringen und neu zu gestalten, birgt große  Potenziale, um zu der benötigten Flexibilisierung beizutragen.
  • Lernumgebungen sind Zukunftslabore – Universitäten, kulturelle Institutionen und ökonomische Partner müssen neue Räume öffnen und entwickeln, um zu radikaler Neugestaltung von Lernumgebungen zu gelangen und damit adäquate Möglichkeiten für die Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft zu schaffen.

Fazit und Ausblick
Design und Bildung befruchten und bedingen sich gegenseitig – und können so aneinander wachsen. In vielen Ländern dieser Welt hinken die staatlichen Bildungssysteme den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, den wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen weit hinterher. Bis zum Beispiel Schulsysteme sich verändern, haben sich Creative Technologies schon zwei oder drei Mal neu erfunden und sind dementsprechend wieder voraus. Arbeit ohne konsequente Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten ist schon heute kaum mehr möglich. Gerade auch Corona hat gezeigt, dass sich nicht nur Digitalisierung, sondern auch Arbeitsformen und -abläufe jetzt und in Zukunft stetig mit den Möglichkeiten der Technologien verändern werden. Hier setzt der New Education Circle an und entwickelt Konzepte, um das Potenzial der kreativen Berufe wie Design und Architektur und anderer kultur- und kreativwirtschaftlicher Berufe zum Wohle aller nutzbar zu machen. Zusammen wollen wir einen virtuellen wie physischen Ort finden, an dem diese und weitere Denkmodelle vorangetrieben werden können. Wir suchen nach einer Werkstatt völlig neuer Prägung, in der Wissenschaftler und Forscher, Transformationsspezialisten und Künstler über Bildung nachdenken und ihre Potenziale ganz konkret erproben. 
 
Könnte dieser Ort nicht vielleicht Teil der neuen europäischen Bauhausbewegung sein, die Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union erstmals vorgeschlagen hat? Was läge näher, als unter diesem Dach Design und Bildung zukünftig gemeinschaftlich zu denken … 

15. Dezember 2020
Deutscher Designtag
Der New Education Circle wird von bayern design gefördert 

Kontakt:
Boris Kochan, kochan@designtag.org, Telefon +49 151 50419808
Sabine Koch, koch@designtag.org, Telefon +49 30 24531489

Die Diskussionsgrundlage als gestaltetes PDF mit wunderbaren Illustrationen von Martina Wember.